Gigantismus pur in Shanghai!

Freitag, 11. Oktober 2013

Am heutigen Morgen ging es als erstes zur Stadtplanungshalle. Auf dem Weg dorthin erklärte uns Yangyang einige chinesische Grundbegriffe. Ni hau war uns bereits bekannt. Die Begrüßungsformel für alles – Guten Morgen, guten Tag, guten Abend! Und wenn wir gefragt würden, wie es uns geht: Ni hau ma? – dann: hau – gut! Oder Hau, hau, hau – sehr gut! ;-)

Amüsant dabei ist vor allem, dass die Chinesen manches etwas kurzatmig, regelrecht bellend sprechen. Gerade dieses „sehr gut“ hört sich dann schon sehr amüsant an.

Und wir sollten nicht tschüss sagen. Das Wort tschüsse bedeutet im chinesischen „Geh zum Teufel!“

Am schwersten zu merken fiel uns das Danke: chiä-chiä. Aber wir werden es noch hinkriegen.

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Die Stadtplanungshalle war überwältigend. Es war uns ja im Voraus gar nicht klar, was uns dort erwartet. Aber in diesem modernen Gebäude gab es ein riesiges Modell des Stadtkerns von Shanghai innerhalb dieses inneren Autobahnrings. Der ist immerhin schon mal 50 km lang. Und dieses Modell zeigt auf rund 600 m² die Planung der Stadt für das Jahr 2020. Es wird wohl noch viel, viel mehr unendlich hohe Häuser geben als jetzt. Die Wohnungen sind äußerst knapp und werden dringend gebraucht.

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Shanghai ist mit 23 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Chinas. Die größte Stadt ist Chongqing mit 32 Millionen Einwohnern. Peking folgt erst als dritte mit etwa 20 Millionen.

Shanghai ist aber auch die teuerste Stadt in China – wobei man Hongkong immer außen vor lässt. Auch nach über zehn Jahren ist der Schritt dieser Stadt noch nicht ganz in China angekommen.

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IMG_8494all die beleuchteten Gebäude sind bereits erbaut, alles andere ist in Planung und soll bis 2020 fertig sein

Zum Beispiel kostet die Zulassung für ein Auto in Shanghai umgerechnet 10.000 €. Dennoch werden ca. sechs- bis neuntausend Autos im Monat zugelassen. Man regelt durch diese hohen Kosten die Menge an Zulassungen. In Shanghai gibt es etwa 6,5 Millionen Fahrzeuge, davon jedoch nur 1,5 Millionen Privatfahrzeuge. Diese hohen Preise übersteigen gewöhnlich die Anschaffungskosten für ein Auto. Deshalb gibt es auch überwiegend große, teure Autos, selten kleine Pkws.

Nach der Stadtplanungshalle war ein Seidenmuseum unsere nächste Station an diesem Tag. Der Chinese Daniel – er bemerkte es amüsiert, dass er einen deutschen Namen trägt – führte uns durch das Museum. Die Herstellung von Seide hat in China eine 5.000 Jahre alte Tradition. Daraus sind auch die beiden Seidenstraßen entstanden. Einmal der Seeweg in Richtung Europa und einmal der Landweg.

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Die beste Qualität der Seidenfäden erhält man, wenn die Raupen Maulbeerbaumblätter fressen. Ein Schmetterlingspaar legt 300-400 Eier und daraus schlüpfen vier Tage später kleine Raupen. Nach der Paarung versterben die Schmetterlinge. Eine erwachsene Raupe ist am Ende 10.000 Mal größer als die Babys. Sie produzieren den Seidenfaden und spinnen sich damit ein. Dieser Kokon wird dann genommen und der Faden „abgewickelt“.  Insgesamt ist ein solcher Zyklus ca. 50 Tage lang. Solch ein Faden soll ca. 7 Mikrometer dick sein, ist innen hohl und hat dadurch diese guten Eigenschaften, dass er gut kühlt und gut wärmt.

Von diesen einzelnen Fäden werden dann 8-10 zusammengedreht, danach weitere, sodass man gute Seide bis zu 100 Fäden stark ist.

Aus einem Kokon erhält man einen Faden bis zu 1000 m Länge.

Daniel erklärte uns auch, wie man echte Seide erkennt. Er zündete unechte Seide an. Die brannte und zog nach dem Ausmachen der Flamme dicke Fäden. Die echte Seide brennt nicht, das Feuer geht sofort aus und es ziehen sich auch keine Fäden aus dem heißen Material sondern es bleibt nur etwas Asche übrig. Ob man das nun beim Einkaufen wirklich prüfen kann, wage ich zu bezweifeln. ;-)

Uns wurde auch gezeigt, wie man die doppelten oder “Zwillings”-Kokons verarbeitet. Sie werden manuell im Wasserbad geöffnet und danach über eine “Haube” gezogen.

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Am Ende der Führung gab es einen riesigen Laden. Erst wurden uns Betten gezeigt und Bettwäsche. Die Betten sollen milbenfrei und staubfrei sein und haben eine Lebensdauer von ca. 10-15 Jahren. Die Betten waren eigentlich gar nicht so teuer.  Für ca. 80 Euro hätte man dies Zudecken bekommen können. Aber die Bettwäsche dazu war für meine Begriffe sehr teuer. Man musste für einen normalen Bezug mit ca. 200 Euro rechnen. Aber es gab auch Bekleidung. Tücher in den schönsten Varianten, Blusen, Jacken, Hemden, Krawatten, Schlafwäsche, einfach alles! Wir probierten und suchten und viele fanden das passende Souvenir für sich.

Nach dem Mittagessen in einem Hotel fuhren wir noch einmal zur Altstadt. Jetzt konnten wir Yangyangs Kommentar vom Vortag auch verstehen, dass die Altstadt am Tag ohne Beleuchtung wie Sozialismus aussieht und am Abend mit Beleuchtung wie Kapitalismus. Es war alles durchaus noch überwältigend, aber nicht mehr so zauberhaft wie am Vorabend.

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Von der Altstadt aus gingen wir in den Yu-Garten. Dies ist ein Privatgarten, der „Garten des Erfreuens“, mit Pavillions, Felsen und Teichen und ist ein klassischer chinesischer Garten.  Ein besonderer Stein ist dort ausgestellt, er hat 72 Löcher. Wenn man von oben Wasser hineingießt, kommt es aus allen 72 Löchern heraus, stellt man Räucherstäbchen darunter, kommt der Rauch ebenso aus allen Löchern.

Der Garten bot viele wunderschöne Fotomotive. Beindruckend waren die Steine und kleinen Felsen, mittendrin immer wieder Wasser.

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Wir hatten noch etwas Zeit und genossen einen Latte in der Sonne vor dem Starbucks, inmitten der alten chinesischen Häuser der Altstadt.

Anschließend fuhren wir noch einmal zum Bund, der Kaimauer mit dem Blick auf die Skyline von Shanghai.Auch hier gab es ein völlig neues Bild bei Tageslicht.

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Danach gings erst einmal zurück zum Hotel.

Wir kauften noch etwas ein und kamen an verblüffender “Straßendekoration” vorbei.

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Wir hatten das fakultative Ausflugsprogramm gebucht und hatten somit am Abend eine Akrobatikshow vor uns. Wir waren von den zirzensischen Darbietungen total überwältigt. Ich hielt oft den Atem an, weil die Artisten keine Sicherung hatten, aber ziemlich hoch oben ihre Darbietung zeigten. Am Ende dann eine Motorradnummer, bei der wir kaum Worte fanden. In einer großen Kugel auf der Bühne fuhren am Ende sieben!!!! Motorradfahrer gemeinsam! Die notwendige Koordination war enorm, da die Räder sich auch oft kreuzten. Wir waren insgesamt sehr begeistert.

Bei unserer Rückkehr kurz vor 22:00 Uhr haben wir uns zu sechst kurzerhand nochmal auf den Weg gemacht, um noch etwas zu essen. Wir landeten letztendlich in einem Hot-Pot-Restaurant. In der Tischmitte war ein Loch, in das eine Schüssel gestellt wurde mit einer Flüssigkeit, in dem man dann das Essen garen konnte. Das Ganze war uns jedoch etwas zu kompliziert, da wir nicht wussten, was man dazu alles bestellen musste und wir an einem nicht-englisch-sprechenden Kellner verzweifelt sind. Wir bestellten uns fertige Menüs, die sehr gut geschmeckt haben. Ich hatte zwar Hühnchen bestellt, das kalt war – aber mit Knochen serviert wurde und dick mit Knofi angerichtet war! – aber wir  kosteten aus allen Pfannen. Für das Ganze, einschließlich reichlich Bier für uns alle, bezahlten wir am Ende ca. 420 Yuan, das sind umgerechnet reichlich 50 Euro – zu sechst!

Hier noch einige Impressionen von Kunst im Alltag – hier auf Gehwegen:

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Auf dem Rückweg staunten wir nicht schlecht, als an uns ein Radfahrer vorbeifuhr. Er hatte auf einen Hänger einen riesigen Berg mit Material geladen und balancierte diese Fuhre vorsichtig durch die Nacht.

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Eine Besonderheit amüsierte uns am späten Nachmittag noch. Yangyang sagte uns, dass es durchaus üblich sei, dass die Chinesen auch gern mal im Schlafanzug und Badeschlappen auf die Straße gingen. Wir konnten es kaum glauben! Aber wir erlebten es wirklich selbst! Es ist unglaublich, in solch einer Millionenstadt Menschen mit so persönlicher Kleidung im Straßenbild zu sehen.

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